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Marktbeobachtung19. März 202611 Min.

Botconomy 2035 – Wenn Agenten die Wirtschaft übernehmen

Bis 2035 könnte sich die Wirtschaftslogik grundlegend verschieben: KI-Agenten werden zu eigenständigen ökonomischen Akteuren, Lohnarbeit verliert ihre ordnende Funktion, und Unternehmen stehen vor der Frage, ob sie auf Mensch-Agent-Arbeit vorbereitet sind. Eine strategische Einordnung – und was das für österreichische Betriebe konkret bedeutet.

Futuristische Visualisierung einer Mensch-Agent-Wirtschaft mit goldenem Agenten-Netzwerk auf dunklem Navy-Hintergrund

Einordnung

Aktuelle makrostrategische Analysen zeichnen ein zunehmend konkretes Zukunftsbild: Bis etwa 2035 könnten zwei systemische Wendepunkte zusammenfallen. Erstens wird KI in wirtschaftlich relevanten Tätigkeiten dem Menschen in weiten Teilen überlegen sein. Zweitens kippt die heutige Arbeitsmarktlogik – von relativem Fachkräftemangel zu strukturellem Überangebot. Was daraus entsteht, ist nicht einfach „mehr Automatisierung“, sondern ein neues wirtschaftliches Betriebssystem: die Botconomy – eine Ökonomie, in der ein Großteil der Transaktionen, Entscheidungen und Wertschöpfung zwischen Agenten stattfindet, gesteuert von Menschen.

ETERNUM-Analyse

Die Vorstellung, dass KI lediglich bestehende Arbeit effizienter macht, greift zu kurz. Die eigentliche Veränderung ist strukturell: KI-Agenten werden nicht mehr nur Werkzeuge sein, die auf Anweisung reagieren, sondern zunehmend eigenständige ökonomische Akteure – Systeme, die Angebote einholen, Entscheidungen vorbereiten, Transaktionen abwickeln und Prozesse end-to-end steuern. Das Bild vom „Tool, das mir hilft“ weicht dem Bild vom „Team, das ich steuere“.

Diese Verschiebung hat eine direkte Konsequenz für den Arbeitsmarkt: Wenn Agenten wirtschaftlich relevante Aufgaben zuverlässiger, schneller und günstiger erledigen als Menschen, verliert klassische Lohnarbeit ihre heutige Funktion als Hauptquelle von Wohlstand und gesellschaftlicher Ordnung. Das heißt nicht, dass Menschen überflüssig werden. Aber es heißt, dass die Rolle sich fundamental wandelt: vom Ausführenden zum Orchestrator. Vom Sachbearbeiter zum Agentenmanager.

Der Begriff Botconomy beschreibt genau diesen Zustand: Eine Wirtschaft, in der ein Großteil der Transaktionen zwischen Agenten stattfindet. Nicht chaotisch oder unkontrolliert, sondern in klar definierten Bahnen – mit menschlicher Steuerung, Governance und Eskalationslogik. Jeder Mensch wird tendenziell zum Manager eines Agententeams. Das gilt für den Soloselbstständigen genauso wie für den Fünfzig-Personen-Betrieb.

Parallel dazu beschleunigt KI wissenschaftliche Felder massiv. Der Übergang von Versuch-und-Irrtum zu Berechnung verändert Medizin, Molekuldesign, Materialforschung und Biologie. LLMs und angrenzende Modellarchitekturen lösen nicht nur Sprache, sondern zunehmend Strukturen – Proteine, Moleküle, Wirkstoffkandidaten. Das ist nicht Science-Fiction, sondern die nächste Welle nach der Automatisierungswelle. Für Unternehmen bedeutet das: Der heutige Automatisierungsschritt – Voice Agents, Prozessagenten, Wissensschichten – ist nicht der Endpunkt, sondern der Einstieg.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Frage des Zugangs: KI-Infrastruktur – also der stabile, sichere, regelkonforme Zugang zu Agentensystemen, Wissensschichten und Orchestrierungsfähigkeiten – wird zur betrieblichen Grundvoraussetzung. Nicht anders als Strom, Internet oder ERP. Wer diesen Zugang nicht hat oder nicht aufbaut, verliert nicht nur Effizienz, sondern mittelfristig die Fähigkeit, am Markt teilzunehmen.

Für den deutschsprachigen Raum kommt ein strukturelles Risiko hinzu: Die gesellschaftliche Technologieoffenheit und die Umsetzungsentschlossenheit hinken dem vorhandenen Know-how deutlich hinterher. Deutschland und Österreich besitzen das Fachwissen, um in der agentischen Ökonomie eine starke Rolle zu spielen. Aber ohne radikale Fokussierung auf wenige Schlüsseltechnologien und ohne einen deutlich schnelleren Übersetzungstakt von Wissen in Anwendung droht ein struktureller Rückfall.

Praxistransfer

Was heißt das für österreichische Unternehmen – heute, nicht 2035? Es heißt vor allem: Die Entscheidung, ob man KI ernst nimmt, ist keine Technologiefrage mehr. Es ist eine Betriebsmodellfrage. Unternehmen, die heute Voice Agents einführen, Wissensspeicher aufbauen und Prozesse für Agenten zugänglich machen, bauen nicht nur Effizienz auf – sie bauen die Grundlage für ein zukünftiges Betriebsmodell, in dem Mensch und Agent gemeinsam wirtschaften.

Konkret empfiehlt sich ein Dreischritt: Erstens, eine ehrliche Bestandsaufnahme – welche Tätigkeiten im Betrieb sind heute noch rein menschlich, könnten aber sinnvoll an Agenten delegiert werden? Nicht als Einsparfantasie, sondern als Kapazitätsfrage. Zweitens, die Schaffung einer soliden Wissens- und Zugriffsschicht – denn ohne strukturiertes, maschinenlesbares Unternehmenswissen bleiben Agenten blind. Drittens, die Entwicklung eines Agentenmanager-Verständnisses in der Belegschaft – nicht „prompting lernen“, sondern verstehen, wie man Agenten steuert, prüft, delegiert und eskaliert.

Die Frage ist nicht, ob Agenten kommen. Die Frage ist, ob Ihr Unternehmen bereit ist, mit Agenten statt nur mit Mitarbeitern zu skalieren. Das bedeutet nicht, Mitarbeitende zu ersetzen. Es bedeutet, jedem Mitarbeitenden die Fähigkeit zu geben, ein Agententeam zu führen – und damit die Leistungsfähigkeit des gesamten Betriebs auf ein neues Niveau zu heben.

Für Unternehmen mit erhöhtem Schutzbedarf – Kanzleien, Steuerberatungen, Arztpraxen – gilt zusätzlich: Der Aufbau einer eigenen, kontrollierten KI-Infrastruktur ist kein Luxus, sondern Risikomanagement. Wer Agenten nutzt, ohne die Datenhoheit zu behalten, baut auf fremdem Fundament.

Management-Fazit

  • Die nächsten zehn Jahre bringen keinen weiteren Technologietrend – sie bringen einen Systembruch.
  • KI-Agenten werden zu eigenständigen wirtschaftlichen Akteuren, nicht nur zu Produktivitätstools.
  • Klassische Lohnarbeit verliert mittelfristig ihre Funktion als Hauptquelle von Wohlstand und Ordnung.
  • Jeder Mitarbeitende wird tendenziell zum Manager eines Agententeams – die Rolle wandelt sich vom Ausführenden zum Orchestrator.
  • Zugang zu KI-Infrastruktur wird zur betrieblichen Grundvoraussetzung – vergleichbar mit Strom oder Internet.
  • Unternehmen, die heute Voice Agents, Wissensspeicher und Agentenlogik aufbauen, bauen das Fundament für die Wirtschaft von morgen.
  • Deutschland und Österreich haben das Know-how – aber nicht die nötige Umsetzungsgeschwindigkeit. Wer wartet, fällt zurück.
  • Die Frage ist nicht mehr, ob KI kommt. Die Frage ist, ob Ihr Betrieb bereit ist, mit Mensch-Agent-Teams zu wirtschaften.

Dieser Beitrag basiert auf der strategischen Analyse und redaktionellen Einordnung von Eternum zu aktuellen makroökonomischen Zukunftsszenarien im Bereich KI, Arbeitsmarkt und agentische Wirtschaft. Die Bewertung der Relevanz für den österreichischen Mittelstand sowie die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen stammen von Eternum.

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