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KI im Unternehmen12. Mai 20269 min

SAP unter Druck – warum agentenfähige Software monolithische Systeme verdrängt und KMU jetzt modular denken sollten

SAP baut Festungen, Salesforce öffnet APIs, und Agentic Coding macht eigene Business-Apps erstmals günstiger als Lizenz-Software. Warum der österreichische Mittelstand jetzt modulare KI-Systeme statt monolithischer Plattformen braucht.

Büroturm umschlungen von goldenen Datenströmen – monolithische Software wird durch modulare Agenten-Bausteine ersetzt

Einordnung

Das Kräfteverhältnis in der Unternehmenssoftware verschiebt sich. SAP versucht, externe Agenten auszusperren und das eigene Ökosystem zu schützen. Salesforce öffnet dagegen APIs, CLI und Agentenzugriff. Gleichzeitig macht Agentic Coding eigene Business-Apps erstmals schneller und günstiger baubar als klassische Lizenz-Software. Für österreichische KMU bedeutet das: Die meisten brauchen kein SAP. Sie brauchen saubere Kundendaten, einfache Prozesslogik, Terminübersicht, Follow-up-System und Reporting – also modulare Systeme, die schnell Nutzen erzeugen.

ETERNUM-Analyse

SAP steht unter einem Druck, den viele noch unterschätzen. Experten bewerten die aktuelle Strategie kritisch: starke Abhängigkeit von Bestandskunden, Lock-in-Geschäftsmodell, hohe Einführungskosten, komplexe Systeme, Risiko bei Neueinführung und eine neue API-Policy, die externe Agenten aktiv aussperrt. Die strategische Intention dahinter ist klar: das eigene Ökosystem schützen. Aber die Gegenbewegung ist stärker. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie mit Agentic Coding schneller und günstiger eigene interne Applikationen bauen können, als jahrelange SAP-Einführungsprojekte zu finanzieren. Das betrifft nicht nur Großkonzerne. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen sollten heute sehr genau prüfen, ob sie wirklich noch große monolithische Enterprise-Systeme brauchen – oder ob modulare, agentenfähige Lösungen nicht schneller Wert erzeugen.

Der Kontrast zwischen zwei SaaS-Strategien ist aufschlussreich. SAP baut eine Festung: externe Agenten aussperren, eigenes Ökosystem schützen, alte Lizenzlogik verteidigen. Salesforce verfolgt einen anderen Weg: APIs öffnen, CLI öffnen, MCP- und Agentenzugriff ermöglichen, Pay-per-Action und Pay-per-Conversation als neue Preismodelle testen. Die bessere Zukunftsstrategie scheint klar: Software muss agentenbedienbar werden. Jede Lösung, die nicht durch Agenten bedienbar ist, wird langfristig an Relevanz verlieren. Für die eigene Architektur bedeutet das: API-Zugang, strukturierte Daten, klare Rollen, Logfiles, Berechtigungen, auditierbare Aktionen, einfache Schnittstellen und Exportfähigkeit – das sind die neuen Mindeststandards.

Einer der stärksten Sätze aus der aktuellen Debatte: User Interfaces werden die neuen APIs. Wenn Software keine gute Programmierschnittstelle hat, können Agenten trotzdem über die Oberfläche arbeiten – über Browser Use, Computer Use, Formularsteuerung, GUI-Automation, Screenshots und visuelle Erkennung. Für KMU ist das extrem relevant, weil sie oft mit alter, geschlossener oder schlecht dokumentierter Software arbeiten. Die fehlende API ist kein Todesurteil mehr. Dann baut man einen agentischen Oberflächen-Workflow. Aber das sollte ein pragmatischer Zwischenschritt sein, kein Dauerzustand – für stabile Skalierung bleiben echte APIs die bessere Basis.

Was braucht der typische österreichische KMU-Betrieb wirklich? In den meisten Fällen nicht SAP. Sondern: saubere Kundendaten, einfache Prozesslogik, Terminübersicht, Angebotsstatus, Telefonnotizen, Follow-up-System, Rechnungsvorbereitung und Reporting. Das sind modulare Systeme, die schnell Nutzen erzeugen und schrittweise erweitert werden können. Nicht „wir bauen Ihnen eine große Plattform", sondern „wir automatisieren zuerst Ihren wichtigsten Engpass und erweitern dann modular." Das ist die Angebotslogik, die funktioniert.

Praxistransfer

Schritt 1 – Bestandsaufnahme der aktuellen Software-Landschaft beim Kunden. Welche Systeme werden genutzt? Welche haben APIs? Welche sind überdimensioniert? Welche Daten liegen in Excel statt in Systemen? Welche Prozesse laufen manuell, obwohl sie automatisierbar wären? Diese Analyse zeigt sofort die ersten Automationskandidaten.

Schritt 2 – Agentenfähigkeit als neues Bewertungskriterium einführen. Bei jeder neuen Softwareentscheidung die Frage stellen: Kann ein Agent dieses System bedienen? Gibt es eine API? Strukturierte Daten? Klare Aktionen? Exportfähigkeit? Software, die nicht agentenfähig ist, wird zum Flaschenhals.

Schritt 3 – Modulare Einstiegsangebote statt Komplettsysteme. Nicht mit dem gesamten System beginnen, sondern mit dem einen Prozess, der den größten Schmerz verursacht: verpasste Anrufe, chaotische Terminplanung, fehlende Nachfassaktionen, unstrukturierte Kundendaten. Dieser Einstiegspunkt erzeugt schnellen ROI und öffnet die Tür für weitere Module.

Schritt 4 – Browser-Use als pragmatische Brücke nutzen. Wenn das vorhandene System keine API hat: erst Browser-Automation als MVP testen, bevor man das gesamte System austauscht. So wird schnell Nutzen sichtbar, ohne Risiko durch Systemwechsel.

Management-Fazit

  • SAPs Festungsstrategie und steigende Agentic-Coding-Fähigkeiten setzen monolithische Enterprise-Software unter Druck – kleinere, modulare Systeme werden attraktiver.
  • Software, die nicht agentenbedienbar ist, verliert langfristig an Relevanz – API-Zugang und strukturierte Daten werden zu neuen Mindeststandards.
  • User Interfaces werden die neuen APIs: Wenn keine Programmierschnittstelle vorhanden ist, arbeiten Agenten über die Oberfläche – zunächst als Brücke, langfristig über echte APIs.
  • Der österreichische Mittelstand braucht keine SAP-Neueinführung, sondern modulare Automationen entlang konkreter Engpässe.
  • Die Angebotslogik „wichtigsten Engpass zuerst, dann modular erweitern" erzeugt schnellen ROI und nachhaltigen Ausbau.

Analyse basiert auf aktuellen Experteneinschätzungen zur SAP/Salesforce-Strategie, Entwicklungen bei Agentic Coding und Browser-Automation sowie Marktbeobachtungen für den DACH-KMU-Sektor.

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